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Anstelle von Pro-Contra-Listen: Wenn du nicht weißt, wie du dich entscheiden sollst, achte auf diese eine Sache

Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2021 von Elli


In diesem Artikel geht es um genau eine Sache nicht:
Pro-Contra-Listen direkt aus der Hölle.

Weil: Wenn sie dir geholfen hätten, Entscheidungen zu treffen, wärst du wahrscheinlich nicht bei diesem Artikel hier gelandet.

Und wenn mir solche Listen extrem gut weitergeholfen hätten, hätte ich diesen Artikel, ehrlich gesagt, auch nicht geschrieben.

Bei mir war es immer eher so: Man setzt sich hin, fertigt eine wunderschöne, extrem detaillierte Liste an – und ist danach noch verwirrter als zuvor. Weil: zu viele Details. Zu viele Argumente, die sich gegenseitig aufheben; zu viele Dinge, die sich wechselseitig bedingen.

Was ist das verdammte Problem daran, sich alle möglichen Plus- und Minus-Punkte vor Augen zu führen – und dann eine Entscheidung zu treffen?

Ich glaube, es liegt daran, dass Verstand und Gefühl manchmal verschiedene Sprachen sprechen.

Wenn das nicht so wäre, wäre es ja total einfach, sich zu entscheiden.

Entscheidungen fallen uns dann schwer, wenn sich Dinge widersprechen. Wenn die Faktenlage unsicher ist. Wenn du dir selbst nicht sicher bist, was du eigentlich willst.

Hier hilft es manchmal, ein wenig wegzuzoomen, anstatt sich auf die Details zu fokussieren.

Wenn du eine schwierige Entscheidung treffen musst: Vergiss die Details – und schau dir das Gesamtbild an

Vergiss alle möglichen Folgen deiner Entscheidung – niemand von uns kann in die Zukunft blicken, auch wenn Planen manchmal genau das suggeriert: dass man steuern und sich aussuchen kann, was passieren wird.

Das einzige, was zählt: wie sich dein Körper in dem Moment anfühlt, in dem du dir die getroffene Entscheidung vorstellst.

Ja, richtig gelesen: dein Körper. Fühlt er sich plötzlich leicht an? Oder bekommst du so ein schweres Gefühl in der Brust, obwohl, logisch betrachtet, alles auf genau diese eine Entscheidung zugelaufen ist – und du dir eigentlich sicher bist, die richtige Entscheidung getroffen zu haben? Aber es fühlt sich eben nicht richtig an?

Vertrau auf deine Intuition!

Die Art und Weise, wie dein Körper auf diese vorgestellten Zukunftsszenarien reagiert, sagt dir etwas, was der Verstand vielleicht ignoriert hat.

Wenn wir versuchen, eine rationale Entscheidung zu treffen, wägen wir oft Vor- und Nachteile gegeneinander ab und versuchen, das Beste für uns herauszuholen.

Wir versuchen, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, und auch hier: die höchsten Wahrscheinlichkeiten für einen guten Ausgang auf unsere Seite zu holen. Das Problem ist nur: Die Zukunft lässt sich nicht vorherberechnen, und Wahrscheinlichkeiten können, müssen dich aber nicht treffen.

Deine körperliche Reaktion aber sagt dir etwas anderes. Und: sie sagt dir mehr. Aus ihr spricht keine Logik, dafür aber etwas, was erst jetzt nach und nach von der Wissenschaft entdeckt wird: Intuition.

Gerd Gigerenzer hat darüber ein unglaublich spannendes Buch geschrieben („Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“), und vertritt darin die These, dass Intuition weniger eine göttliche Eingebung als unbewusst gespeichertes Wissen ist.

Deine Körperreaktion greift damit vielleicht noch auf andere Wissenssysteme in deinem Körper zurück, und sagt dir auf diese Weise nicht nur, was du im Laufe der Jahre an unterbewusstem Wissen über verschiedene Situationen gesammelt hast. Sondern deine Intuition sagt dir auch noch etwas anderes. Sie gibt dir eine Antwort auf die Frage: Was ist dir wichtig?

Also: Wenn bei dir demnächst eine wichtige Entscheidung ansteht, verliere nicht den Verstand über Pro-Contra-Listen, sondern gehe in dich und stelle dir deine möglichen Zukunftsalternativen einfach mal vor.

Verspürst du bei der anderen Freude, bei den anderen eher ein Gähnen? Gratulation, hier hat dein Körper kompetent für dich entschieden. Keine der Alternativen löst irgendetwas in dir aus? Vielleicht wären beide Alternativen gut.

Darüber denkt man ja manchmal nicht richtig nach. Aber dein Körper und dein Gefühl melden sich garantiert, wenn du davor bist, eine Entscheidung zu treffen, die dir innerlich eigentlich widerstrebt – obwohl sie scheinbar vorteilhaft wäre.

Es gibt übrigens auch eine Coaching-Übung, mit deren Hilfe du deine körperlichen Reaktionen auf eine bestimmte Art der Entscheidung testen kannst: das Tetralemma.

Angst vor einer falschen Entscheidung?

Oft genug lähmt uns die Angst davor, sich „falsch“ zu entscheiden, einen Fehler zu machen – dabei ist die Zukunft offen. Niemand weiß, was „richtig“ und „falsch“ sein wird, und in welchem Kontext.

Das einzige, was du machen kannst: Dich so zu entscheiden, wie es deinen Werten und einen Vorstellungen von einem guten Leben entspricht. Dich selbst, deine Intuition und dein Körperwissen mit einzubeziehen. Scheinbar neutrale Fakten können sich schnell mal ändern.

Das, was bleibt, bist du: das geheime Wissen, das in dir steckt; deine Wünsche, deine Träume, alles, was du bist.

Triff keine Entscheidungen mehr für andere, oder für irgendeinen Maßstab von einem guten Leben, das nicht mal deiner ist.

Entscheide dich für dich!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Susanne

    Ich hatte letztens ein Vorstellungsgespräch, und war danach hin und hergerissen. Es war nicht alles optimal an der Stelle, aber ein Neuanfang ist ja meist nicht einfach. Ich war aufgewühlt, angespannt und verängstigt als ich mir diese neue Zukunft vorstellte. Und dann stellte ich mir vor die Stelle abzulehnen, und siehe da, ich wurde ganz ruhig und fühlte mich besser. Mein Körper hatte entschieden.

    1. Elli

      Liebe Susanne, wie cool, dass das bei dir auch so gut funktioniert hat!!! Gottseidank ist unser Körper so schlau, während man selbst manchmal einfach nur hin- und hergerissen ist … Liebste Grüße zu dir!

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