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6 Bücher, die meinen Alltag nachhaltig verbessert haben

Zuletzt aktualisiert am 16. September 2021 von Elli


Provokante These: Dein Alltag ist das Wichtigste, was du hast.

Okay, oder lass es uns so sagen: Dein Alltag ist das, was sich in deinem Leben aller Voraussicht nach am meisten wiederholt.

Ich hatte lange Zeit einen Alltag, der nicht wirklich zu mir gepasst hat – mir stellen sich jetzt noch die Nackenhaare auf, wenn ich versuche zu beschreiben, wie viel Energie einem das raubt, und zwar für gar nichts. Diese Lebensenergie, so habe ich das zumindest empfunden, war einfach ein Opfer, das ich umsonst gebracht habe, für kein höheres Ziel, einfach nur reine Wiederholung, ohne Schönheit und ohne Erkenntnisgewinn.

Doch, eine wichtige Erkenntnis habe ich gewonnen: Es ist (zumindest für mich) nicht möglich, in kurzer Zeit all das nachzuholen, was davor monatelang gefehlt hat.

Mit dieser Einsicht habe ich angefangen, meinen Alltag mehr auf Freude- und Sinnmöglichkeiten hin auszurichten – und diese 6 Bücher waren mir dabei eine große Inspiration bzw. inspirieren mich immer noch.

1. „Denken wird überschätzt. Warum unser Gehirn die Leere liebt“ (Niels Birbaumer / Jörg Zittlau)

Copyright Cover: Ullstein (unbeauftragte, unbezahlte Werbung)

Durch dieses Buch ist mir klargeworden, wie wichtig es ist, im Alltag Momente der Leere, des Nichtstuns und vor allem Nichtdenkens zu schaffen: als eine Reset, den das Gehirn braucht, um gut arbeiten zu können.

Nichtdenken ist, wenn man es einmal geschafft hat, wunderschön. Ich denke vor allem beim Wild Swimming erfreulich wenig.

2. „Das Minimalismus-Projekt. 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“ (Christof Herrmann)

Copyright Cover: GU (unbezahlte Werbung)

Dieses Buch habe ich freundlicherweise vom GU Verlag zugeschickt bekommen, und es hat mir, mehr als jedes andere Buch gezeigt, wie befreiend es sein kann, das ganze unnötige Hintergrauschen zu reduzieren und auf das zu fokussieren, was wirklich wichtig ist.

„52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“ ist der Untertitel – eine meiner Lieblingsideen für mehr „Sein“ stammt aus Kapitel 34 und lautet so:

„Wenn du den Eindruck hast, dass dir die Zeit fehlt, das Schöne in der Welt zu sehen und dankbar zu sein, hilft nur eines: Drossle das Tempo.“

Christof Herrmann, „Das Minimalismus-Projekt“

Christof bloggt übrigens auf einfachbewusst.de über eine minimalistische Lebensweise – und ich durfte bei ihm in einem Gastbeitrag übrigens schon einmal mein minimalistisch-kaltes Lieblingshobby Wild Swimming vorstellen. (Hurra!)

3. „Resonanz“ (Hartmut Rosa)

Copyright Cover: Suhrkamp (unbeauftragte, unbezahlte Werbung)

Nachdem ich das Buch zugeschlagen hatte, konnte ich plötzlich nicht mehr glauben, dass ich den Begriff „Resonanz“ davor noch nie aktiv verwendet hatte. Resonanz ist so wichtig! Man könnte ihn auch mit „Verbindung“ übersetzen – eine innere Verbindung zu Menschen oder Aktivität, die einem etwas bedeuten, und bei denen man das Gefühl hat, besonders lebendig zu sein.

Jedenfalls ist mein Ziel jetzt, jeden Tag ein wenig Resonanz zu erleben – egal, wie, egal, wo.

4. „Psychogeografie. Wie die Umgebung unser Verhalten und unsere Entscheidungen beeinflusst“ (Colin Ellard)

Copyright Cover: btb (unbeauftragte, unbezahlte Werbung)

Dieses Buch zeichnet verschiedene Orte nach und wie sie uns von unserer Wahrnehmung und unserem Empfinden her beeinflussen, zum Beispiel Kirchen als „Räume der Ehrfurcht“ oder Farnwälder als „Orte der Zuneigung“. Superspannend, dass und wie wir uns anders verhalten und anders fühlen, je nachdem, wo wir sind.

Ich nehme diese Erkenntnis oft zum Anlass, meinen Ort zu wechseln, wenn ich mit irgendetwas nicht weiterkomme. Hat oft erstaunlich gute Effekte.

Passenderweise habe ich „Psychogeografie“ zum ersten Mal in einem Ort der Wärme, nämlich meiner Badewanne, gelesen, wobei es mir leider ins Wasser gefallen ist. Jetzt ist es selbst von einem sehr speziellen Ort geprägt und knistert beim Umblättern.

5. „Die entzündete Seele“ (Edward Bullmore)

Copyright Cover: Goldmann (unbeauftragte, unbezahlte Werbung)

Alles, was Entzündungen reduziert, hat mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch einen positiven Effekt auf unsere mentale Gesundheit.

Das wäre, heruntergebrochen, für mich die Hauptaussage dieses Buchs über die Rolle des Immunsystems bei Depressionen. (Wenn du dafür interessierst, warum die Rolle des Körpers bei Depressionen generell nicht unterschätzt werden sollte, kannst du hier weiterlesen: „5 Gründe, warum es sinnlos ist, sich bei Depressionen „nur“ mit der Psyche zu beschäftigen – und körperliche Ursachen auszuklammern“)

Was das für mich heißt? Naja, dass ich dran denke, dass mein Immunsystem und meine Stimmung ziemlich eng verschalten sind, und das umsetze, was sich für mich leicht umsetzen lässt. Dass ich z.B. wohldosierte Kälteportionen in meinen Alltag einbaue, mich regelmäßig bewege und schaue, dass Freude Teil meines Alltags ist. Denn negativer Stress kann das Immunsystem schwächen und Entzündungen fördern.

Aber die Einsicht, wie eng Immun- und Hormonsystem mit der Psyche verbunden sind, hat bei mir auch dazu geführt, dass ich mit anderen Augen auf meine Stimmungstiefs schaue.

Früher war mein erster Reflex immer zu denken: Verdammt, was muss ich in meinem Leben verändern, damit ich mich anders fühle, welches Trauma muss ich noch verarbeiten? Und so weiter. Ich glaube schon, dass es hilft, sich aktiv mit sich selbst und seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Ich glaube tatsächlich auch, dass fast jeder irgendein Trauma mit sich herumträgt.

Aber ich glaube auch, dass man Kraft braucht, um sich produktiv damit auseinanderzusetzen oder auch nur: durchzuhalten. Wenn dein vegetatives Nervensystem aufgrund von Entzündungen oder Mangelzuständen oder einfach auch: ständigem Stress dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen ist, ist das einfach schwieriger.

Deswegen ist in solchen Phasen mein Hauptfokus erst einmal, mein Nervensystem herunterzuregulieren – zum Beispiel eben durch Wild Swimming, Journaling, genügend Schlaf oder indem ich darauf achte, dass meine Eisenspeicher nicht leer sind. (Leider ein wiederkehrender Klassiker in meinem Leben: zu niedrige Ferritinwerte.)

Das Schöne an dieser Taktik: Das Problematische an manchen Dingen, die mich vorher potenziell heruntergezogen hätten, verschwindet manchmal einfach ganz. Diese Dinge sind dann nur noch ein nerviges Störgeräusch, bei dem ich mich im Nachhinein darüber wundere, wie es so großen Head Space bei mir einnehmen konnte. Die wirklich schwierigen Dinge, die bleiben natürlich – aber ich kann sie mir in einer okayen Stimmung ansehen. Oder mich schnell(er) wieder fangen. Das macht für mich einen riesigen Unterschied.

6. „Flow und Kreativität“ (Mihaly Csikszentmihalyi)

Copyright Cover: Klett-Cotta (unbeauftragte, unbezahlte Werbung)

In diesem erbaulichen Buch widmet sich Mihaly Csikszentmihalyi der Frage, wie kreative Prozesse verlaufen, was kreative Menschen antreibt und was sie auszeichnet – anhand von wissenschaftlichen Interviews mit 91 außergewöhnlich kreativen Persönlichkeiten.

Was ich aus diesem Buch mitgenommen habe, ist vor allem eine tiefe Faszination für das Thema Flow: diesem völligen Versinken in etwas, das die Zeit aufzuheben scheint, und einen mit einem wohligwachen und euphorischen Gefühl zurücklässt.

Das Flowgefühl kann nicht erzwungen werden, aber es gibt einige Voraussetzungen dafür: 1. Flow kann man nur bei etwas erleben, das man liebt. Und 2.: Du musst maximal gefordert sein, um an einen Flow heranzukommen.

Meine Flows kommen oft beim Schreiben. Nicht immer, aber sie kommen, und wenn sie kommen, empfange ich sie mit offenen Armen und schwöre mir, ihnen ab jetzt immer die Tür offenzuhalten.
Und genau das mache ich jetzt: die Tür offenhalten. Indem ich Dinge tue, die ich liebe, und die mich fordern, und das regelmäßig.

Wenn du auch Lust hast auf mehr Kreativität in deinem Leben und dafür noch weitere Gründe brauchst, könntest du hier weiterlesen:

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