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4 Do-it-yourself-Akupressurpunkte zur Stimmungsaufhellung… und ein Gespräch mit Dr. Julia Kleinhenz über die Behandlung von Depressionen in der traditionellen chinesischen Medizin

Zuletzt aktualisiert am 6. November 2021 von Elli


Vielleicht kennst du sie schon aus meinem Artikel über Eisenmangel und Depressionen: Dr. Julia Kleinhenz.

Dr. Julia Kleinhenz (Copyright: privat)

Sie ist Schulmedizinerin und arbeitet gleichzeitig auch als Ärztin für traditionelle chinesische Medizin, hat sowohl in Deutschland als auch in China studiert – und sie hat auch, wie sie mir bei unserem Telefonat erzählt hat, in ihrem engeren Umkreis einige Erfahrungen mit Depressionen sammeln müssen.

In diesem Kurzinterview habe ich mit ihr darüber gesprochen

  • wie die TCM Depressionen sieht
  • warum sie in der Behandlung ihrer Patient*innen großen Wert darauf legt, sowohl die schulmedizinische als auch die Seite der traditionellen chinesischen Medizin zu beachten
  • und warum sie in der Behandlung zunächst mit dem Ausschluss körperlicher Mangelzustände und Dysfunktionen beginnt. (Wenn du dich für körperliche Ursachen interessierst, die zu depressiven Symptomen führen können, kannst du auch bei meinem Interview mit Prof. Dr. Erich Kasten zum Thema Somatopsychologie weiterlesen.)

Falls du neugierig bist und gleich zum Do-it-yourself-Teil springen möchtest: Hier geht es zu den 4 stimmungsaufhellenden Akupressur-Punkten! (Und hier zu 6 Tipps aus der TCM, die bei Depressionen hilfreich sind.)

Ansonsten lass uns ganz am Anfang beginnen. Was ist traditionelle chinesische Medizin (TCM) überhaupt – und was hat sie hier auf diesem Mind-Body-Blog zu suchen?

Disclaimer: Alle Informationen, die du hier findest, sind mit größter Sorgfalt recherchiert, aber: Ich bin keine Ärztin, und alle Angaben in diesem Beitrag sind ohne Gewähr. Wenn du Beschwerden hast, empfehle ich dir, medizinisches Fachpersonal zu konsultieren – das ist die einzige Möglichkeit, um eine angemessene Behandlung zu erhalten. Die hier bereitgestellten Informationen stellen keine Handlungsanweisung dar, ersetzen keinen Arztbesuch und dienen auch nicht der Selbstdiagnose oder -behandlung, sondern der weiterführenden Diskussions meines Blogbeitrags-Themas bzw. spiegeln eigene Erfahrungen oder Meinungen meiner Interviewpartner wider.

Die Grundlagen der TCM – und was sie mit der Konzeptualisierung von Depressionen zu tun haben

Die traditionelle chinesische Medizin gibt es seit mehr als 4000 Jahren – und fußt dabei auf der Annahme, dass Energie im Körper frei fließen können muss, damit der Mensch körperlich und mental gesund bleibt.

Die Grundlagen der TCM: die Philosophie des Taoismus und Konfuzianismus und das Prinzip des Yin-Yang-Systems. Die zwei Pole Yin und Yang symbolisieren im Rahmen dieses Denkmodells einerseits das Dunkle, harte Kalte, Weibliche, Passive und Ruhige (Yin) und das Helle, weiche Heiße, Männliche, Aktive und Bewegte (Yang).

Im Idealzustand sollen Yin und Yang sich in Balance befinden und gleichmäßig fließen – wenn das nicht der Fall ist, kommt es laut der TCM zu einem Verlust der Lebensenergie „Qi“ und in der Folge zu Krankheiten.

In der TCM geht es also darum, die angenomme Ursache der Krankheiten zu bekämpfen, indem man durch die Regulierung von Yin und Yang ein körperliches und seelisches Gleichgewicht herzustellen versucht.

Mind-Body-Verbindungen in der traditionellen chinesischen Medizin

Jetzt ist dir bestimmt klar, was die TCM mit Mind-Body-Verbindungen, um die es hier auf diesem Blog ja geht, zu tun hat: Körper und Geist sind in der traditionellen chinesischen Medizin sehr eng verwoben. Zum Beispiel werden aus Sicht der TCM bestimmte Gefühlszustände bei Störungen bestimmter Funktionen beobachtet – so ist Traurigkeit im System der TCM zum Beispiel mit der Lunge und der Atmung verknüpft. Und mithilfe von Bewegungsverfahren wie z.B. Qi Gong soll nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische Gesundheit gestärkt werden. Aber dazu kommen wir später noch ausführlicher.

Heilverfahren, die die traditionelle chinesische Medizin u.a. im Repertoire hat

  • Akupunktur
  • Akupressur
  • Heilkräuter
  • Moxibustion (Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers)
  • Massage
  • Schröpfen
  • Bewegungsverfahren wie Qi Gong

Damit springen wir direkt ins Interview mit Frau Dr. Kleinhenz. Ich fand ihren Ansatz, Schulmedizin mit traditionell chinesischer Medizin zu kombinieren, wirklich spannend!

Wie gehen Sie als Ärztin vor, wenn jemand mit depressiven Symptomen zu Ihnen in die Praxis kommt?

Dr. Julia Kleinhenz: Ich gehe individuell, aber strukturiert vor. Meistens beginne ich erst einmal mit dem Ausschluss körperlicher Mangelzustände, zum Beispiel eben Eisenmangel (über das Thema hatten wir ja schon einmal miteinander gesprochen). Und ich schaue, ob Krankheiten vorliegen oder Medikamente eingenommen werden, die Depressionen verstärken oder auslösen können.

Mir ist es auch immer wichtig, das Umfeld meiner Patient*innen zu betrachten. Wenn es gravierende soziale Stress-Faktoren gibt, muss man unbedingt versuchen, diese zu eliminieren oder abzumildern.

Zum Schluss kommt bei mir der Blick nach China. Da überlege ich dann, welche Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin meinen Patient*innen ambesten weiterhelfen können.

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Hinweis: Wenn es dir nicht gut geht, empfehle ich dir, dich an einen Arzt oder eine Ärztin zu wenden. Ich selbst bin nicht medizinisch ausgebildet, sondern spreche hier lediglich aus eigener Erfahrung.

Was ist die grundsätzliche Herangehensweise der chinesischen Medizin?

Dr. Julia Kleinhenz: Das Grundmantra der chinesischen Medizin ist, dass man die Patient*innen individuell betrachten muss, sowohl, was die Gesundheit, aber auch, was die Lebensverhältnisse und Ernährungsweise angeht.

Prinzipiell also eigentlich das, was ein guter Hausarzt auch macht.

Und das, was den chinesischen Ansatz vom europäischen unterscheidet, ist jetzt, dass man weniger auf die Krankheit fokussiert ist als auf den Menschen, dessen System eine Störung aufweist. Nach der chinesischen Denkart geht man zu einem Arzt und betrachtet gemeinsam die Krankheit. Man schaut: Woher kommt eigentlich die Störung? Ist es eine äußere Störung? Ist es eine innere Störung? Wo muss ich ansetzen, damit es besser wird?

Kurzum: In der chinesischen Medizin behandelt man nicht die Krankheit, sondern den Menschen! Das Ziel ist es immer, die Energie wieder ins Fließen zu bringen.

Wie erklärt sich die TCM Depressionen?

Dr. Julia Kleinhenz: Generell geht man davon aus, dass die Lebensenergie, das Qi, ins Stocken geraten ist. Und dafür gibt es verschiedene Ursachen. Man kann also in der TCM nicht von der einen Depression sprechen, sondern es gibt verschiedene Ursachen, die zu depressiven Symptomen führen können.

Welche „Depressions-Typen“ gibt es nach der TCM?

Dr. Julia Kleinhenz: Es gibt es fünf verschiedene Depressionstypen, die jeweils mit verschiedenen Funktionskreisen korrelieren, nämlich mit Leber, Herz, Niere, Lunge und Milz. Diese Funktionskreise sind nicht mit den anatomischen Organen gleichzusetzen! Wenn wir uns zum Beispiel die Depression mit Milz-Muster (siehe nächster Punkt) ansehen, so gilt die Milz als System des Verdauungstraktes. Hier erfolgt nach Sicht der TCM die Bewertung: „Was ist gut für mich, was will ich aufnehmen, was gebe ich wieder ab?“


Depression mit Milz-Muster nach der TCM

Eine Form der Depression ist die Milzschwäche. Sie ist von folgenden Merkmalen gekennenzeichnet:

  • Man grübelt viel
  • Man steht nicht mehr richtig in Kontakt mit sich selbst, sondern hört nur noch auf das, was von außen kommt
  • Man kommt nicht ins Tun, obwohl man eigentlich weiß, was man im Leben erreichen will
  • Man kann schlecht Grenzen setzen
  • Man leidet unter Verdauungsproblemen, hat oft Bauchschmerzen oder den Appetit verloren

Die Milz hat im Körper ja eine Filterfunktion inne. Und bei Menschen, die eine Milzstörung haben, klappt das mit dem Filtern nicht mehr richtig – auch nicht im übertragenen Sinn. Zum Beispiel kann das auch mit Essstörungen zusammenhängen, weil man den Bezug zu sich selbst verloren hat, und Essen nur noch nach rationalen Kriterien auswählt. Man isst Dinge nicht mehr, weil sie einem gut schmecken, sondern weil sie vermeintlich gesund sind, z.B. ein hohes Volumen bei geringer Kaloriendichte aufweisen. Dabei ist es sehr wichtig, beim Essen auf sich und seine Körpersignale zu hören!

Depression mit Lungenmuster nach der TCM

Die Depression mit Lungenmuster ist von folgenden Merkmalen gekennenzeichnet:

  • Man kämpft oft mit einer Trennungsproblematik (z.B. dem Verlust eines nahen Menschen oder auch dem Verlust des Arbeitsplatzes)
  • Häufig treten Funktionsstörungen des Atemsystems auf
  • Man hat Schwierigkeiten, loszulassen
  • Oft fällt auch Atmen schwierig, man seufzt viel, alles fällt schwer

Die Lunge steht in diesem Kontext für Loslassen, Trauer. Eine Depression mit Lungenmuster würde man in der Psychologie wohl als die reaktive Depression bezeichnen, also die Art von Reaktion, die man oft nach Trauerfällen sieht.

Depression mit Leber-Muster nach der TCM

Bei einer Depression mit Leber-Muster stehen folgende Merkmale im Vordergrund:

  • Man ist überreizt, hat zu viel Spannung im Körper und kann das nicht richtig ins Tun umsetzen
  • Man hat zwar einen Plan davon, was man tun möchte, hat aber das Gefühl, dass man mit angezogener Handbremse durch das Leben läuft
  • Man schluckt oft Wut hinunter anstatt sie zu artikulieren

Bei diesem Muster reagieren Menschen depressiv, weil sie von Aggressionen und Wut belastet sind, die sie nicht loswerden können. Körperlich äußert sich das oft in Migräne oder Menstruationsstörungen.

Depression mit Nierenmuster nach der TCM

Bei einer Depression mit Nieren-Muster stehen folgende Merkmale im Vordergrund:

  • Man wird von existentiellen Ängsten geplagt
  • Man kann kein Urvertrauen ins Leben fassen
  • Man leidet evtl. unter Lendenschmerzen oder Sexualstörungen

Den depressiven Menschen mit Nierenmuster fehlt oft Ur-Energie. Die ist im Chinesischen der Niere zugeordnet, und auch der Angst. Hier finden sich auch ganz viele Leute mit posttraumatischen Störungen, deren Ur-Energie durch eine extreme Angst oder ein einschneidendes Erlebnis in Mitleidenschaft gezogen worden ist, und die nun typischerweise über sich sagen würden: „Ich habe überhaupt keine Ahnung, was Leben eigentlich soll.“

Depression mit Herzmuster nach der TCM

Bei einer Depression mit Herz-Muster stehen folgende Merkmale im Vordergrund:

  • Man leidet z.B. unter Schlafstörungen und Herzklopfen
  • Man empfindet den Austausch mit anderen Menschen als schwierig, als wäre da eine unsichtbare Kommunikationsbarriere
  • Man hat das Gefühl, dass einem die Kehle vor lauter Angst zugeschnürt ist; die Ängst sind hierbei oft unkonkret
  • Man ist oft schreckhaft, zuckt leicht zusammen
  • Man kann schnell vom einen Zustand in den anderen wechseln, zum Beispiel vom Lachen zum Weinen

Die Herzdepression würden wir in der Schulmedizin die „agitierte Depression“ nennen. Diese Menschen sind übererregt; ihnen fehlt oft auch die innere Kühlung, so wird das in der TCM genannt. Hier ist emotionale Instabilität das Problem.

Bei einer Depression mit Herzmuster hat sich übrigens Dattel-Weizen-Süßholz-Tee bewährt. Er kann die Heftigkeit der Emotionen abmildern.

TCM ist ja eine sehr individualisierte Medizin. Aber hätten Sie trotzdem ein paar Tipps gegen Depressionen, die so ganz allgemein helfen können?

Dr. Julia Kleinhenz: Genau, eigentlich behandeln wir unsere Patient*innen individuell. Aber es gibt ein paar grundlegende Dinge, die generell hilfreich sind.

  1. Auf sich hören. Vor allem auch beim Essen! Das betrachte ich tatsächlich seit Jahren als eine meiner Hauptaufgaben: die Leute dazu zu bringen, darauf zu achten: ob es ihnen eigentlich schmeckt. Wenn ich Vorträge halte, versuche ich das immer anhand von zwei Beispielen zu erklären. Das eine ist die Gurke. Wenn man Gurke isst, wird einem da warm oder kalt? Und Gegenfrage: Wie sieht es mit Ingwer aus? Wenn man Ingwer isst, wird einem eher warm oder kalt? Ich denke, auf diese Fragen findet jeder leicht für sich eine Antwort. Wenn einem zum Beispiel immer kalt ist, kann Ingwer nützlich sein. Wenn man aber, um in Begriffen der TCM zu sprechen, eine Herzhitze und einen Kühlwassermangel der Niere hat, sprich nicht mehr genügend Kühlung, um das Herz in Ruhe zu halten, dann ist Ingwer pures Gift. Ingwer hat übrigens auch eine ganz starke Beziehung zur Haut. Wer eine trockene Haut hat, für den ist Ingwer nicht förderlich. Und das sind so diese Sachen, die die Leute eigentlich spüren würden – wenn sie denn auf sich hören würden.
  2. Bewegung unter freiem Himmel. Also nicht auf dem Hometrainer, sondern tatsächlich draußen. Was man da macht, ist völlig egal, Hauptsache, man kommt in Bewegung und läuft nicht Gefahr, dass einem die Decke auf den Kopf fällt.
  3. Der bereits erwähnte Dattel-Weizen-Süßholz-Tee. Das ist ein Hausmittel in der chinesischen Medizin, der bei innerer Unruhe, Ängsten und Schlafstörungen helfen kann.
  4. Nur kleine Mengen Alkohol trinken.
  5. Sehr wichtig ist auch: genügend Schlaf. Denn aus Schlafmangel entsteht körperliche Schwäche, und oft auch psychische Tiefs. Ein Beispiel dafür kann ich selbst beisteuern: Als meine Kinder noch klein waren und ich wieder voll gearbeitet habe, hatte ich eine sehr anstrengende Phase, in der ich mich nicht wiedererkannt habe. Ich bin eigentlich kein ängstlicher Mensch. Ich bin alleine nach China gegangen. Ich bin alleine gereist. Und mit zwei Kindern und unendlichem Schlafmangel habe ich abends in meiner Praxis gesessen und voller Panik meinen Mann angerufen und gesagt: Du musst mich abholen. Ich kann die dreißig Meter von der Praxis zu meinem Auto nicht alleine ohne Begleitung laufen. Und das ist körperliche Schwäche. Und die hat ja auch einen Grund. Wenn ich nachts alleine in der Wüste stehe und ich bin schwach, dann muss ich Angst haben vor Angreifern. Und dann bin ich vorsichtiger, weil ich schwach bin. Wenn ich voll in der Kraft und ausgeschlafen bin und weiß, ich kann mich wehren, sieht die Sache völlig anders aus. Und Schlafmangel ist so ein großes Problem in unserer Gesellschaft.
  6. Ebenfalls kurzfristig sehr hilfreich kann Akupressur sein.

Akupressur – was ist das überhaupt?

Lass uns damit anfangen, was Akupressur nicht ist: Akupressur ist nicht Akupunktur. Beide Techniken sind aber verwandt. Bei Akupunktur werden ja bekanntermaßen dünne Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen, um den Energiefluss anzuregen.

Bei Akupressur hingegen drückst und massierst du spezifische Punkte des Körpers.

Du kannst Akupressur also leicht selbst durchführen, immer und an jedem Ort!

Ihre Wirkung gilt zwar im Vergleich zur Akupunktur als weniger stark, aber bei regelmäßiger Anwendung kannst du trotzdem einiges bewirken.

Wie funktioniert Akupressur genau?

Erst einmal suchst du den Akupressurpunkt. Dabei versuchst du, an dieser Stelle eine leichte Vertiefung zu ertasten. Wenn du den richtigen Punkt gefunden hast und dieser tatsächlich eine Behandlung benötigt (das ist nämlich nicht immer der Fall), wirst du merken, dass er leicht druckempfindlich ist.

Dann probierst du einmal aus, wie es sich anfühlt, diesen Punkt kreisend und unter leichtem Druck zu massieren, einmal im Uhrzeigersinn und einmal dagegen. Die Richtung, die angenehmer ist, ist diejenige, mit der du beginnst.

Bis zu 3 Minuten sollte deine Kurzmassage dauern, und die Empfindlichkeit des Punktes dabei spürbar abnehmen. Dann ist die gegenläufige Massage-Richtung dran.

Wenn der Akupressur-Punkt auf beiden Körperseiten vorhanden ist (also z.B. auf dem Handgelenk liegt), sollten auch beide Körperseiten massiert werden.

Wie oft sollte man Akupressur anwenden?

Bis zu drei Mal täglich kann man Akupressur anwenden, je nachdem, wie stark ausgeprägt die Beschwerden sind.

Funktionieren die gleichen Akupressur-Punkte bei jedem?

Nein! Man geht davon aus, dass bei jeder Störung verschiedene Energie-Ungleichgewichte am Werk sind – deswegen können die hier beschriebenen Akupressur-Punkte vermutlich auch nicht jedem helfen.

Die hier vorgestellten Akupressur-Punkte beziehen sich auf häufige Energie-Störungen.

Du kannst also einfach einmal ausprobieren, ob und wie sich für dich funktionieren. Wenn ein Akupressur-Punkt für dich nicht druckempfindlich ist, musst du ihn auch nicht behandeln.

Diese 4 Akupressur-Punkte können angstlösend und stimmungsaufhellend wirken, und bei Depressionen hilfreich sein

YinTang

Dieser Punkt befindet sich zwischen den Augenbrauen und über der Nase und sollte von unten nach oben gedrückt werden.

Foto: Dr. Julia Kleinhenz

Hilft u.a. bei:
• Anspannung und Angst (siehe z.B. diese Studienübersicht)
• Schlafproblemen

Tanzhong

Dieser Punkt befindet sich auf dem Brustbein, circa auf Höhe der Brustwarzen.

Foto: Dr. Julia Kleinhenz

Hilft u.a. bei:
• Beklemmung
• Engegefühl in der Brust

Sanyinjiao

Dieser Punkt befindet sich hinter dem Unterschenkelknochen, vier Handbreit über dem Knöchel.

Foto: Dr. Julia Kleinhenz

Hilft u.a. bei
PMS (damit hat sich u.a. diese Studie befasst)
• Stimmungsschwankungen

Shen-Men

Der Shen-Men-Punkt (auch: „Tor der Götter“ genannt) befindet sich an der Ohrmuschel – da, wo der bogenförmige Ohrknorpel, die Anthelix, sich aufspaltet.

Foto: Dr. Julia Kleinhenz

Du kannst den Shen-Men-Punkt aktivieren, indem du ihn z.B. zwischen zwei Finger nimmst und ihn leicht kreisend massierst (du kannst dir dabei auch ruhig beide Ohren gleichzeitig vornehmen). Ein weiterer Tipp ist, dabei beim Einatmen nach links, und beim Ausatmen nach rechts zu blicken. Auf diese Weise beruhigst du dein vegetatives Nervensystem zusätzlich, weil die Augenbewegungen und die bewusste Atmung deinen Vagus-Nerv (den größten Nerv des parasympathischen Nervensystems) aktivieren.

Hilft u.a. bei:

  • Schlafproblemen
  • innerer Unruhe
  • Angst
  • depressiver Stimmung

Wie sehen Sie den Dialog Traditionelle chinesische Medizin und Schulmedizin?

Dr. Julia Kleinhenz: Beides ist wichtig und hat seine Berechtigung: die klassische Schulmedizin, wie sie ja genannt wird, und auch die Komplementärmedizin.

Für mich geht es immer auch um eine gewinnbringende Synthese. In der europäischen Medizin fehlt bei uns fehlt oft ein wenig der Blick darauf, dass es noch andere Faktoren gibt. Und da passieren manchmal natürlich auch lustige Dinge. Ich hatte letztens einen Patienten, der war zwei Jahre lang in Psychotherapie, weil er immer Magenschmerzen hatte, und ich war die erste, die ihn gefragt hat, was er eigentlich so isst, Tag für Tag. Und wissen Sie, was der gegessen hat? Nur: Brote. Also wirklich ausschließlich Brote. Morgens, Mittags, Abends. Seit Jahren kein warmes Essen, kein Gemüse, nur Brote und Aufschnitt. Und da steht man fassungslos davor und denkt sich: Ja, mit der Ernährung hätte ich auch Magenschmerzen.

Das Problem, denke ich, liegt oft in der Trennung zwischen den Disziplinen. Wir haben einen, der sagt: So, ich kümmere mich jetzt um deine Psyche. Der andere kümmert sich dann um den Körper, der dritte stellt die Bescheinigungen aus, und auf die Weise gibt es eben ziemlich viel, was unter den Tisch fallen kann.

Lust auf weitere Infos zur TCM? Hier geht es zur Homepage von Dr. Julia Kleinhenz!

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