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Eine Möglichkeit, dein vegetatives Nervensystem zu beruhigen, die dich zum Staunen bringen wird!

Zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2021 von Elli


Ich befand mich gerade im Supermarkt vor einem Tiefkühlregal, als eine neue Podcastfolge in meinem Handy startete. Zuerst hörte ich nicht richtig hin.

Ich ging weiter der Tätigkeit nach, die ich eben erst, aus grotesker Langeweile heraus, entwickelt hatte: mir von allen Fertigprodukten, die in meiner Nähe standen, die Inhaltsstoffe durchzulesen.

Es war nicht besonders unterhaltsam, aber es war das Unterhaltsamste, was mir in diesem Moment einfiel.

Als ich gerade damit liebäugelte, eine Packung Marillenknödel, die ich ohnehin nicht kaufen würde, näher unter die Lupe zu nehmen, erstarrte ich.

Es lag nicht am Marillenknödel. Es lag auch nicht daran, dass ich entsetzt von mir selbst gewesen wäre, weil ich mich während des Corona-Lockdowns plötzlich brennend für diverse Zutatenlisten interessierte bzw. weiterhin nicht interessierte, aber doch aufmerksam zur Kenntnis nahm – weil mir gerade nichts Besseres einfiel.

Nein, es lag daran, was gerade im Podcast gesagt worden war.

Ich legte den Marillenknödel zurück ins Tiefkühlregal, ging auf meine Podcast-App und spulte ein paar Sekunden vor.

Tatsächlich, ich hatte mich nicht verhört: Ehrfürchtiges Staunen aktiviert unseren Vagusnerv – den größten Nerv unseres parasympathischen Nervensystems.

Ehrfürchtig ging ich einen Schritt weg vom Tiefkühlregal, und notierte mir im Kopf, diesen Blogpost zu schreiben. Unverzüglich.

Und hier sind wir jetzt. Ich habe noch viel gestaunt bei der Recherche. Aber von Anfang an.

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Warum es so schön ist, ehrfürchtig zu staunen: eine Vagus-Nerv-Erklärung

„Ehrfurcht, die: hohe Achtung, achtungsvolle Scheu, Respekt vor der Würde, Erhabenheit einer Person, eines Wesens oder einer Sache“.

www.duden.de

So beschreibt der Duden Ehrfurcht.

Ehrfürchtiges Staunen – so, wie ich das englische „awe“ übersetzen würde – bezeichnet demnach das emotionale Berührtwerden durch etwas Erhabenes, zum Beispiel

  • eine besonders schöne Landschaft
  • eine Kathedrale
  • den Sternenhimmel
  • mitreißende Musik
  • Kunst
  • Literatur

Wenn ich an ehrfürchtiges Staunen denke, dann sehe ich mich persönlich unter einem Sternenhimmel stehen: Man selbst befindet sich im Dunkeln, und über einem leuchten Lichter, deren Ursprung es vielleicht gar nicht mehr gibt.

Bei Astronauten gibt es übrigens ein Phänomen, das sich „the overview effect“ nennt: Nachdem sie die Erde vom All aus gesehen hatten, wurden sie von einem Gefühl überwältigt, mit der gesamten Menschheit eins zu sein, und gemeinsam vor einem großen Wunder zu stehen: der Erde.


3 Dinge, die ehrfürchtiges Staunen mit uns macht

  1. Im Moment des Erlebens fühlt man sich klein und unbedeutend, verbunden mit etwas, das viel größer ist als man selbst.
  2. Wenn wir etwas Erhabenes erlebt haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir weniger selbstbezogen werden, uns materielle Dinge weniger interessieren und wir uns mehr für andere einsetzen, also altruistischer werden (dazu z.B. folgende Studie aus dem Jahr 2007: „The Nature of Awe: Elicitors, Appraisals and Effects on Self-Concept“)
  3. Ehrfürchtiges Staunen aktiviert unseren Vagusnerv und damit das parasympathische Nervensystem. Dass dein parasympathisches Nervensystem ausreichend aktiv ist, ist deswegen wichtig, weil es mit Ruhe, Reperatur- und Selbstheilungsprozessen deines Körpers in Verbindung gebracht wird. (Siehe dazu auch meine Literaturtipps zum Thema Selbstheilungskräfte: „Der Selbstheilungsnerv“ von Stanley Rosenberg). Der Gegenspieler des parasympathischen Nervensystems ist das sympathische Nervensystem. Beide könnte man folgendermaßen kontrastieren: „feed & breed“ / „rest & digest“ (Parasympathikus) versus „fight & flight“ (Sympathikus). Übrigens: Die Rolle des Vagusnervs rückt gerade auch bei der Behandlung von Depressionen immer mehr in den Fokus des Interesses, Stichwort: Vagusnerv-Stimulation.

Wie du mehr Wunder und Staunen in dein Leben bekommst

  • Du könntest mit Wild Swimming anfangen – ich gerate fast jedes Mal in einen Zustand meditiver Bewunderung von allem. (Außer einmal, aber da war gerade Schneesturm und ich konnte meine Hände schon vor dem Baden nicht mehr spüren, was sich als psychologisch ungünstig erwies.)
  • Du könntest öfter wandern oder spazieren gehen und mit allen Sinnen aufnehmen, was es zu sehen gibt.
  • Du könntest dich einfach so in die Natur begeben und dir dabei vor Augen führen, dass wir alle Teil davon sind – dass die Natur für uns als „existenzielle Kategorie“ gelten darf.
  • Du könntest nachts die Sterne anschauen.
  • Du könntest öfter in Konzerte gehen (zumindest, wenn das wieder möglich ist), oder dir neue Musik anhören.
  • Du kannst dich fragen, was dich in der Vergangenheit berührt hat – und nach ähnlichen Erlebnissen suchen. Oder nach neuen.

Egal, wo du das Staunen am Ende findest – wenn du es gefunden hast, gehört es dir: in Form von schönen Erinnerungen und dem Gefühl der Verbundenheit mit der Welt. Und in Form eines zufriedenen Nervensystems.

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