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11 Überraschungen, die die Natur gegen Depressionen vorbereitet hat: ein Kräuterspaziergang mit Mechtilde Frintrup

Zuletzt aktualisiert am 8. Juni 2021 von Elli


Als ich bei Mechtilde vor der Tür stehe, ist das erste, was ich sehe, ein Specht. Er ist aus Eisen und fungiert als Klingel. Ich habe Skrupel, seinen Kopf gegen den Rahmen zu schlagen, aber das ist zum Glück auch nicht nötig: Mechtilde öffnet mir auch so die Tür.

Sie ist ein wenig kleiner als ich, lächelt viel und hat überhaupt so eine herzliche Art, dass ich mich so fühle, als würden wir uns schon länger kennen. Tatsächlich treffe ich sie heute aber zum ersten Mal. Bislang haben wir nur einmal telefoniert und ein paar Mails hin- und hergeschrieben.

Ich nehme an Mechtildes Küchentisch Platz und bekomme sofort Schlüssenblumentee serviert. Doch wir halten uns nicht lange auf. Wir müssen weiter.

Unsere Mission heute: ein Kräuterspaziergang, bei dem ich einmal ausprobieren kann, wie das ist, durch Wald und Wiesen zu streifen und überall auf Ess- und Verwertbares zu stoßen.

Ich gebe es zu: Ich habe keine Ahnung von Kräutern. Aber ich habe große Lust, etwas zu entdecken, über das ich kaum etwas weiß – und das so viel Potenzial zu haben scheint.

„Green Care in Psychiatry“: Natur gegen Depressionen?

Dass Naturerlebnisse sehr effektiv gegen Depressionen und andere psychische Erkrankungen wirken können, hat man ja schon mal gehört.

Es klingt irgendwie logisch, und vielleicht auch ein bisschen lahm. So wie: „Beweg dich doch mal ein bisschen“ oder „Geh doch mal ein wenig in die Sonne.“ Als wäre die Natur nur ein Ablenkungsmanöver, von dem man hofft, dass es so schön ist, dass es einem die Schwere aus den Gliedern nimmt; als würde Ablenkung bei Depressionen funktionieren.

Tatsächlich kann die Natur aber mehr als Ablenkung.

Naturerlebnisse, das konnte die Forschung mittlerweile zeigen, haben eine Vielzahl an real messbaren Wirkungen auf die physische und psychische Gesundheit.

Die heilende Wirkung der Natur – was die Forschung weiß

  • Wer 2 oder mehr Stunden pro Woche in der Natur oder naturnahen Umgebungen verbringt, hat im Schnitt eine bessere Gesundheit und fühlt sich wohler als diejenigen, die nicht regelmäßig aufs Grüne blicken.
  • Sogar künstliche Natur scheint bei Selbstheilungsprozessen nützlich zu sein. Patient*innen genesen schneller von Operationen, wenn in ihrem Zimmer ein Naturfoto hängt, als wenn ihr Blick z.B. nur auf eine andere Häuserfassade geht, ganz ohne Grün.
  • Der Cortisolwert sinkt nach einem Spaziergang im Wald viel mehr als nach einem Spaziergang in urbanen Gebieten, was heißt: körperlich entspannt eine natürliche Umgebung einen mehr als eine städtische.
  • Das Risiko, an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck zu erkranken, ist umso geringer, je mehr Bäume in einer Wohngegend stehen.

Einige Naturerlebnisse lassen sich natürlich leicht auf eigene Hand sammeln: Waldspaziergänge. Wanderungen. Habe ich alles schon voller Freude eingesammelt. Ich war schon immer gerne draußen, aber seitdem ich herausgefunden habe, wie gut mir Wild Swimming hilft, wenn ich mich depressiv oder mental erschöpft fühle, bin ich süchtig geworden: nach dem High danach, nach dem guten Körpergefühl.

Jedenfalls, eine Sache fehlt mir noch in meinen bisherigen Naturerkundungen: ein Kräuterspaziergang. Und: mehr solides Wissen über Kräuter, was wogegen hilft, was man wie essen kann; eine Art Grundausbildung für Kräuter-Unkundige, quasi.

Deswegen bin ich bei Mechtilde.


Mechtilde Frintrup

Mechtilde ist Phytopraktikerin (Heilpflanzenpraktikerin), Wildkräuterpädagogin und Buchautorin.

Sie bietet Kräuterwanderungen an, veranstaltet Seminare und kann sogar aus Brennnesselfasern eine Art Wolle spinnen. Zur Brennnessel hat sie eine ganz besondere Beziehung und darüber auch ein Buch darüber geschrieben.

Ach ja, und sie bloggt: Unter andas-werkstatt.com könnt ihr sie virtuell begleiten, zum Beispiel beim Herstellen eines Gänseblümchen-Sirups.


Mit Natur gegen Depressionen: angstlösende und stimmungsaufhellende Pflanzen im Kräutergarten

Unser erstes Ziel ist nicht weit entfernt – es liegt direkt hinter Mechtildes Haus. In ihrem Kräutergarten wachsen nicht nur Klassiker wie Rosmarin und Löwenzahn, sondern auch Baldrian, Johanniskraut, Lavendel und Melisse: Pflanzen, die weithin bekannt sind für ihre angstlösenden und stimmungsaufhellenden Effekte.


Disclaimer: Ich bin nicht medizinisch ausgebildet, sondern trage hier lediglich – wie ich finde – spannende Erkenntnisse zusammen, die keine Handlungsanweisung darstellen. Wenn es dir nicht gut geht, solltest du dich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden.


Kräuter für die Seele

Anregend und stärkend:

Rosmarin: ihm wird eine belebende Wirkung zugeschrieben. Macht sich als aromatische Würze gut bei allen möglichen Speisen sowie als Badezusatz.

Löwenzahn: kann man z.B. im Salat essen. Die Pflanze ist harntreibend, spült die Niere und stärkt die Leber. Gilt als stoffwechselanregend und entgiftend. Vor allem seine Bitterstoffe sind gesund. Wenn die Blätter zu bitter sind, kann man sie eine Weile wässern. (Bitterstoffe sind in großer Menge nämlich auch nicht gut; es kommt, wie bei vielem im Leben, auf die richtige Dosis an.)

Beruhigend und stimmungsaufhellend:

Baldrian: wirkt zentrierend und deshalb beruhigend. Man kann ihn als Tee zu sich nehmen. Auch konzentrationsfördernde Eigenschaften soll Baldrian besitzen.

Johanniskraut: Zur antidepressiven Wirkung von Johanniskraut gibt es viele Studien. Wenn du ihn als Tee trinkst, tritt die volle Wirkung erst nach ca. vier Wochen ein. Johanniskraut wirkt am besten gegen Winterdepression, da es den Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit kompensiert.
Aber Vorsicht: Wenn du bereits rezeptpflichtige Medikamente gegen Depressionen nimmst, solltest du zuerst deinen Arzt oder deine Ärztin um Rat fragen, bevor du zusätzlich mit Johanniskraut zur Tat schreitest!

Lavendel: Lavendeltee wird z.B. bei Einschlafproblemen, Migräne, Schwindel, Magenproblemen oder Krämpfen getrunken. Aber bereits der Geruch von Lavendel ist entspannend – z.B. als ätherisches Öl oder in einem Lavendelkissen. Nach einem Sonnenbrand wirkt Lavendelöl regenerationsfördernd und kühlend.

Melisse: hat einen besonders hohen Gehalt an ätherischen Ölen, darunter Citral, Citronellol und Linalool. Studien konnten zeigen, dass sich schon nach einem einzigen Melissebad die Schlafqualität von Proband*innen besserte. Dabei wirkt Melisse zunächst belebend, und dann beruhigend. Auch als Tee getrunken kann Melisse bei Appetitmangel und Nervosität helfen. Dazu wird empfohlen, zwei Teelöffel Melissenblätter mit heißem, aber nicht kochendem Wasser zu übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen zu lassen. Davon drei Mal täglich eine Tasse trinken.


Tipp: Kräuter am besten an Stellen sammeln, die nicht oder nur wenig schadstoffbelastet sind.


Der Himmel ist wolkenverhangen; für später ist Regen angekündigt. Wir sind mutig und es außerdem beide gewohnt, nass zu werden – Mechtilde liebt Wild Swimming nämlich auch! – und so ziehen wir los. Mit im Gepäck: Handtücher und Bikini zum Schwimmen, und Baumwollsäckchen für die Kräuter, die wir sammeln möchten.

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Hinweis: Wenn es dir nicht gut geht, empfehle ich dir, dich an einen Arzt oder eine Ärztin zu wenden. Ich selbst bin nicht medizinisch ausgebildet, sondern spreche hier lediglich aus eigener Erfahrung.

Wir sind gerade einmal fünf Minuten gelaufen, schon höre ich einen Fluss neben uns rauschen: die Murr. Während ich schon völlig vom Wasser gefangen bin und überlege, wo wir wohl gleich schwimmen werden, bleibt Mechtilde abrupt stehen. Sie hat etwas entdeckt, was sie gleich einsammeln wird; etwas woran die meisten anderen einfach vorbeigelaufen wären, möglicherweise sogar noch mit Sicherheitsabstand.

Hier siehst du eine „Glücks-Brennnessel“ – eine Mutation mit drei statt zwei Blättern pro Blattachse.

Die Brennnessel – gefürchtet, gefeiert und voller Nährstoffe

Mechtilde bückt sich und deutet auf die hellgrünen Blättchen. „Die frischen Triebe schmecken am besten“, sagte sie, und erklärt mir dann erst einmal, wie man Brennnesseln ernten kann: die Pflanze oben an den gegenüberliegenden Spitzen der Blätter festhalten, und dann von unten nach oben die Brennhaare wegstreichen. Diese wachsen nämlich in eine Richtung, und wenn man sie von unten nach oben wegstreift, brechen sie ab und stechen einen nicht.

Man kann auch ein Handtuch oder Handschuhe nehmen und damit die Brennhaare wegstreifen. Vor allem sollte man auf den Ort achten, an dem man die Brennnesseln erntet. Direkt neben der Straße wachsen vielleicht auch Brennnesseln, aber zum Essen sind die, die an einem etwas geschützteren Platz gewachsen sind, besser. Brennnesseln nehmen nämlich Schwermetalle auf – aus dem Körper, aber auch aus dem Boden. Deshalb solltest du sie nur an unbelasteten Orten zum Essen sammeln.

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum man sich überhaupt die Mühe machen sollte, Brennnesseln zu ernten.

Meine Antwort, nach allem, was ich jetzt weiß: weil Brennnesseln nicht nur erstaunlich gut schmecken, sondern auch sehr gesund sind. Für ihre entgiftende Wirkung ist die Brennnessel ja ohnehin schon bekannt. Aber sie kann noch mehr!

Einige der Brennnessel zugeschriebenen Heilwirkungen

  • entzündungshemmend
  • euphorisierend
  • tonisierend
  • immunstärkend
  • stoffwechselanregend
  • entgiftend
  • schleimlösend
  • harntreibend
  • krampflösend
  • schmerzlindernd
  • nervenstärkend
  • blutdrucksenkend
Copyright Cover: AT-Verlag

Mechtildes Geschichte: Mit Brennnesseln zu neuer Kraft

Mechtilde, so erzählt sie mir während unseres Spaziergangs, hat die Brennnessel für sich entdeckt, als es ihr gesundheitlich nicht gut ging. Nach einer beruflich wie privat stressigen Phase erkrankte sie an der Niere – und begann zu recherchieren, was ihr dabei helfen könnte, wieder zu Kräften zu gelangen.

Dabei rückte die Brennnessel ins Zentrum – und enttäuschte nicht. Mechtilde war mehr und mehr fasziniert: von der Brennnessel, die sie mittlerweile fast täglich in irgendeiner Form aß oder trank; aber auch von anderen Wildkräutern. Sie litt nicht mehr unter Nierenentzündungen, und die kräftigende Wirkung gab ihr auch Mut für den Schritt in die Selbständigkeit in Richtung Kräuter: Mechtilde bildete sich zur Phytopraktikerin und Wildkräuterpädagogin weiter, kündigte ihren alten Job. Heute ist sie quasi Brennnessel-Spezialistin.

Ihr Titel „Das Brennnesselbuch. Die magische Nahrungs-, Heil- und Faserpflanze“ hat übrigens auch beim Deutschen Gartenbuchpreis 2021 eine Auszeichnung geholt.

Copyright: AT-Verlag

In ihrer Beschäftigung mit der Brennnessel hat Mechtilde vieles einfach ausprobiert.

Zum Beispiel die Sache mit dem „Brennnessel-Ritual“, wie Mechtilde es nennt.

Das „Brennnessel-Ritual“: Energiepunkte auf der Stirn aktivieren

Dabei berührt sie mit einem Brennnesselblatt vorsichtig die Mitte der Stirn, genau zwischen den Augenbrauen.

Ich probiere es auch. Es sticht ein wenig, es kribbelt; aber es fühlt sich irgendwie auch erfrischend an. Am ehesten ist das Gefühl für mich mit Pfefferminzöl vergleichbar, das ich mir manchmal auf die Schläfen streiche, wenn ich Kopfschmerzen habe.

Ich mag das Gefühl.

Ein natürliches „Gegenmittel“ zur Brennnessel: Spitzwegerich

Dass ich das Brennnessel-Ritual einigermaßen furchtlos ausprobiere, liegt auch daran, dass Mechtilde mir vorher versichert hat, dass es eine Art „Gegenmittel“ zum Brennnessel-Brennen gibt.

Auch von mir getestet – bei mir hat es super funktioniert.

Darf ich vorstellen?

Spitzwegerich

Das ist Spitzwegerich. Ich habe ihn einfach ein bisschen zwischen Fingern zerrieben und auf die brennende Stelle auf meiner Stirn gehalten – und das Brennen war wieder weg. True story!

Wild Swimming an der Murr

Es weht ein leichter Wind, und ich wickle meinen Mantel fester um mich. Wir gehen weiter: ein Gefälle hinab, dann sind wir schon am Fluss. Sandstrand auf der einen Seite, und hohe Bäume auf der anderen Seite.

Mechtilde geht zuerst ins Wasser. Sie schwimmt ein wenig flussaufwärts, dann ein wenig flussabwärts – da ist bereits die nächste Wildpflanze gesichtet: japanischer Staudenknöterich dieses Mal.

Sie schwimmt ans andere Ufer und erntet ihn. Von der Künstlerin Anja Schoeller, die sich viel mit „Neophyten“, also „eingewanderten“ Pflanzen beschäftigt, hat sie nämlich gehört, dass man ihn zu einer Art nachgebautem Rhabarber-Kuchen ohne Rhabarber verwenden kann. (Hier ist ein Rezept dazu. Ich habe es noch nicht ausprobiert, finde aber, dass es vielversprechend klingt!)

Mit dem Staudenknöterich in der Hand kommt Mechtilde strahlend aus dem Wasser.

Mechtilde in der Murr, dem nächstgelegenen Fluss

Ich fröstele schon beim Umziehen ein wenig, aber sobald ich im Wasser bin, weicht mein Kältegefühl wie immer einer gewissen, schwer abzuschüttelnden Euphorie. Das Wasser in der Murr ist weich, und der Untergrund neu für mich – teilweise mit einer Art festen Bodenpflanzen überwachsen. Sie schlingen sich allerdings nicht um meine Füße, sondern lassen mich in Ruhe. Dann fällt der Untergrund plötzlich ab, und das Wasser wird tief, perfekt zum Schwimmen.

Wir ziehen uns beide wieder an, und ich bin plötzlich so dankbar – dafür, dass man in einem fremden Wald, mit einer Person, die man gerade erst kennengelernt hat, einfach in den Fluss springen kann – und Pflanzen für ein Mittagessen sammeln, einfach so. Dass quasi alles schon da ist, demokratisch für alle, und wenn man etwas davon abhaben möchte, ist das einfach kein Problem.

Es ist so eine Ahnung davon, dass alles mit allem verbunden ist – man selbst mit eingeschlossen.

Mechtilde schneidet die großen Blätter des Knöterichs ab und verstaut ihn in ihrer Tasche. Als wir weitergehen, bin ich noch beschwinger als zuvor, das kalte Flusswasser scheint immer noch durch mich hindurchzufließen.

In den Wald – und hin zu Waldmeister und Gundermann

Wir wandern weiter. Dieses Mal bergauf, direkt in den Wald hinein. Über uns bricht sich das Licht nun in grünen Nuancen. Die Luft verändert sich. Es riecht würzig und immer anders: mal nach frischer Erde, mal harzig, mal blumig.

An einem alten Baumstamm bleibt Mechtilde stehen. Sie hat Waldmeister gesichtet – die feinen weißen Blüten umranken den Baumstamm.

Waldmeister
Waldmeister

Waldmeister wirkt lymphabflussfödernd und stimmungsaufhellendend.

Direkt daneben wächst Gundermann, mit violetten Blüten.

Gundermann
Gundermann

Gundermann besitzt eine wundheilende und entgiftende Wirkung, vor allem, was Schwermetalle angeht. Auch zur Förderung der Genesung nach Krankheiten eignet er sich.

Der Gundermann wird für das anstehende Mittagessen eingepackt; den Waldmeister haben wir indirekt schon dabei.

Denn in Mechtildes Rucksack befindet sich eine Flasche Apfelsaft mit Waldmeister und einem Schuss Brennnessel-Kombucha, die wir ein paar Schritte später auf einer Bank trinken.

Es schmeckt genau so, wie Mechtilde sagt, dass die Wirkung von Waldmeister sein soll: belebend.

Wir haben die ganze Zeit ununterbrochen geredet. Jetzt kehrt zum ersten Mal kurz Stille ein. Ich bin so unglaublich entspannt.

Die erste Brennnessel-Mahlzeit meines Lebens

Nudeln mit Brennnesseln, Gundermann und Möhrenstreifen

Wir sind zurück in Mechtildes Küche. Auf dem Herd kocht gerade unser Mittagessen: Curry-Nudeln mit Karotten und angebratenem Gundermann und Brat-Brennnesseln. Mittlerweile regnet es wirklich.

Brennnesseln zuzubereiten ist übrigens ziemlich einfach. Wir haben sie in Öl frittiert, und mein Geschmackserlebnis würde ich so beschreiben: knusprig, nussig und aromatisch.

Seitdem ich Mechtilde besucht habe, habe ich ein paar Mal Brennnesseln gegessen: selbst gesucht, selbst gepflückt und selbst zubereitet.

Ich habe auch noch oft an den Tag mit Mechtilde gedacht.

An unsere Zeit im Fluss.

An unsere Zeit im Wald.

Und auch an die netten, kleinen Überraschungen, die die Natur gegen Depressionen vorbereitet hat, die wir allesamt mitnehmen durften, einfach so.

Ich hab noch einmal gerechnet. Es sind genau 11 an der Zahl. (Oder auch mehr, denn im Rechnen bin ich nicht besonders gut.)

Warum Aufenthalte in der Natur heilsame Wirkungen bei depressiven Verstimmungen haben können: 11 Überraschungen aus der Natur – für dich!

  1. Terpene. Terpene sind Stoffe, mit denen Pflanzen untereinander Botschaften austauschen. Wir atmen sie ein, wenn wir im Wald spazieren gehen – sie stärken unser Immunsystem, indem sie die Anzahl und Aktivität unserer Killerzellen positiv beeinflussen. Ein funktionierendes Immunsystem ist immer wichtig; im Fall von psychischen Erkrankungen besonders, weil psychische Belastungen sich oft negativ auf das Immunsystem auswirken.
  2. Waldluft enthält bis zu 90 Prozent weniger Staubteilchen als Stadtluft. Feinstaub in der Luft kann das Immunsystem beeinträchtigen und zu sogenannten „stillen Entzündungen“ führen – generell nicht förderlich für die Gesundheit, und bei Depressionen erst recht nicht.
  3. Kräuter zur Beruhigung: Baldrian, Johanniskraut, Lavendel, Melisse, Waldmeister.
  4. Pflanzen mit stärkender und belebender Wirkung: Brennnessel, Rosmarin, Löwenzahn, Gundermann.
  5. Wild Swimming: Möglichkeit einer natürlichen „Kältetherapie bei Depressionen“.
  6. Stressreduktion durch angenehme Klanglandschaften.
  7. Möglichkeit, den Vagus-Nerv zu stimulieren: durch ehrfürchtiges Staunen. Geht natürlich nur in schöner Natur.
  8. Senkung der Cortisol-Werte, allein durch den Aufenthalt in der Natur.
  9. Wohltuende Sinneseindrücke: Gras unter den Füßen, Wind auf der Haut.
  10. Gefühl der Verbundenheit mit allem.
  11. Möglichkeit, im Hier und Jetzt anzukommen – zum Beispiel auch über ein kleines Brennnessel-Ritual.

Quellen:

  • Jörg Zittlau: „Naturmedizin für die Seele“ (Heyne Verlag)
  • Mechtilde Frintrup: „Das Brennnesselbuch“ (AT-Verlag)
  • Clemens G. Arvay: „Der Biophilia-Effekt. Heilung aus dem Wald“ (Ullstein)

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