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12 Gründe, warum ausgerechnet Winterschwimmen bei Depressionen helfen kann!

Zuletzt aktualisiert am 12. Februar 2022 von Elli


Stell dir vor, du entdeckst in der schlimmsten Zeit deines Lebens überraschend das Beste, was dir jemals passiert ist.

So ging es mir mit dem Winterschwimmen.

Aber von Anfang an.

Wie ich zur Kälte kam und Winterschwimmen für mich entdeckte

Man beschließt nicht, von einen Tag auf den anderen, sich täglich massiver Kälte auszusetzen.

Vor allem dann nicht, wenn man vorher zu den Menschen gehörte, die normalerweise schon im Freibad frieren und von freundlichen Fremden angefeuert werden müssen, um endlich ins Wasser zu kommen: „Haben Sie keine Angst! Es ist wirklich nicht kalt!“

Ich kam schließlich zur Kälte, weil ich mir nicht anders zu helfen wusste. Und vielleicht auch: Weil sie mich plötzlich magisch anzog.

Als ich anfing, mit den Effekten von kaltem Wasser zu experimentieren, war ich gerade in einer Phase meines Leben, in der nichts funktionierte und nur noch Dinge passierten, die mich weiter herunterzogen. Ich war so depressiv wie nie zuvor in meinem Leben; und: Ich hatte starke Muskelschmerzen, die nicht weggingen, egal, was ich versuchte.

Vielleicht war ich einfach bereit für eine neue, potenziell transformierende Erfahrung. Oder ich ahnte, dass ich etwas Neues ausprobieren musste, wenn ich etwas Neues in meinem Leben haben wollte.

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Hinweis: Wenn es dir nicht gut geht, empfehle ich dir, dich an einen Arzt oder eine Ärztin zu wenden. Ich selbst bin nicht medizinisch ausgebildet, sondern spreche hier lediglich aus eigener Erfahrung.

Es war November, draußen war es nur wenige Stunden hell, die Stadt hatte sich in sich selbst zurückgezogen. Ich begann mit 10 Sekunden kalt duschen. Innerhalb von zwei Wochen arbeitete ich mich bis zu einem zweiminütigem kalten Wannenbad vor, dann war ich bereit für den Fluss.

Der Fluss war ebenfalls bereit für mich: mit Wasser, das so kalt war, dass mir schon in den ersten Sekunden meines Aufenthalts das Gefühl in den Füßen abhanden kam. Aber das machte nichts. Denn nach dem ersten Schock beim Eintauchen und dem Wegatmen der Kälte kam irgendwann, ganz überraschend, plötzlich ein Gefühl der Wärme, ja: fast Hitze.

Meine Atmung hatte sich (nach dem ersten Hyperventilieren, das normal ist bei der „cold shock response“) wieder normalisiert. Ich war – gefühlt zumindest – warm. Ich hatte keine Schmerzen mehr. Ich war glücklich.

Und natürlich, natürlich war ich trotz allem eigentlich immer noch eiskalt. Wie kalt genau, merkt man aber oft erst, wenn man das Wasser wieder verlässt: die Haut gerötet und kurzzeitig wie taub, die Füße ohne Gefühl, aber: glänzender Laune, erfrischt, befreit und: ohne Schmerzen.

Wie lange dieser Zustand anhält, ist unterschiedlich. Aber: dass es ihn gibt, das ist für mich nach wie vor nicht weniger als ein Wunder.

Kaltes Wasser, historisch gesehen – entdeckt, vergessen, wiederentdeckt

Wobei mein persönliches „Wunder“ historisch gesehen natürlich nichts Neues ist – kalte Bäder sind seit der Antike als Heilmittel bekannt.

Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Anwendung von Wasser in der „Hydrotherapie“ eine erneute Hochphase (Charles Darwin gehörte übrigens zu den bekannteren Patienten, die von der Anwendung profitierten: „I feel certain that the Water Cure is no quackery“, schrieb er 1849 an J.D. Hooker. Die „Water Cure“, auf die Darwin sich hier bezieht, bestand unter anderem aus kalten Bädern und Wickeln, und wurde gegen sein häufiges Erbrechen und Schwindelattacken eingesetzt.)

Und heute? Dass „Kneipen“ gesund ist, weiß zwar jeder. Aber dass die heilsamen Wirkungen von kaltem Wasser über die Verbesserung der Blutzirkulation hinausgehen, das ist Wissen, das heute nur bestimmte Personengruppen mit Sicherheit erreicht (wenn überhaupt): Spitzensportler vielleicht, die nach dem Training zur besseren Regeneration ein Eisbad nehmen; oder Rheumatiker, die in die Kältekammer geschickt werden, für die antientzündliche Wirkung.

„Wild Swimming“ in England: vom Aufstieg einer Randsportart

In England ist das anders. Dort hat „Wild Swimming“, wie das Schwimmen in natürlichen und damit meist sehr kalten Gewässern genannt wird, in den letzten Jahren einen dramatischen Aufschwung erlebt. Von anfangs ein paar hundert Personen ist die Anzahl der Mitglieder in der „Outdoor Swimming Society“ innerhalb von zwei Jahren auf über 70.000 gestiegen – so berichtete der Guardian im Februar 2019.

Auch medial ist „Wild Swimming“ in England oft Thema. Zum Beispiel in der BBC-Sendung „The Doctor who gave up Drugs“, der einer jungen Frau mit Depressionen Kaltwasserschwimmen „verordnet“. Oder in Romanen wie dem bereits erwähnten „Leap in“ (Alexandra Heminsley) oder „I found my Tribe“ (Ruth Fitzmaurice; 2018 unter dem Titel „Der Schwimmclub der traurigen Heldinnen“ ins Deutsche übersetzt).

Zum Aufstieg des „Wild Swimming“ hat mit Sicherheit auch Wim Hof beigetragen. Der Niederländer hält mehrere Kälte-Rekorde, gibt überall auf der Welt Workshops und war mittlerweile wahrscheinlich in fast allen internationalen Fernsehformaten irgendwann einmal zu Gast. Wenn einer als Galionsfigur für die neue Faszination der Kälte gelten darf, dann er.

Ich glaube, dass die neue Wild-Swimming-Bewegung kein Zufall ist. Denn es gibt handfeste Gründe, die für mehr Kontakt mit kaltem Wasser sprechen.

Wild Swimming in der kalten Jahreszeit / Winterschwimmen: 12 Gründe, warum es bei Depressionen hilfreich sein kann!

Disclaimer: Alle Informationen, die du hier findest, sind mit größter Sorgfalt recherchiert, aber: Ich bin nicht medizinisch ausgebildet, und alle Angaben in diesem Beitrag sind ohne Gewähr. Für etwaige Schäden oder Nachteile, die sich aus der praktischen Umsetzung der hier vorgestellten Techniken ergeben, übernehme ich keine Haftung. Wenn du dich nicht gut fühlst, solltest du auf jeden Fall zu einem Arzt / einer Ärztin gehen und dich untersuchen lassen.

Besonders wichtig: Wenn du an Gefäß– oder Herzkrankheiten sowie Blutdruckstörungen leidest, solltest du nicht winterschwimmen – oder dich vorher zumindest ärztlich untersuchen lassen. Auch, wenn du an einer Infektion leidest oder dich gerade von einer solchen erholst, ist Winterschwimmen kontraproduktiv. Ach ja, und du solltest dich in irgendeiner Form auf die Kälte vorbereiten (es sei denn, du bist sie ohnehin schon gewohnt), und nur an sicheren Orten schwimmen.

1. Der Kontakt mit Kälte bewirkt eine veränderte Ausschüttung von Dopamin, Serotonin, Beta-Endorphin und Noradrenalin/Norepinephrin.

Die bereits erwähnte britische Autorin Alexandra Heminsley hat das High nach dem „Wild Swimming“ (oder einfach: Baden in sehr kaltem Wasser) in ihrem Buch „Leap in“ als „Hangover in reverse“ beschrieben. Anders ausgedrückt: der unangenehme Teil kommt zuerst, und dann wird es nur noch: großartig.

„Großartig“ ist natürlich ein breites Spektrum. An manchen Tagen fordert das kalte Wasser einfach nur die gesamte Aufmerksamkeit, so beschäftigt ist man damit, trotz allem weiterzuatmen. Man fühlt sich ruhig und klar.

An anderen Tagen wird man durchflutet von einer hartnäckigen Euphorie, die sich auch nach Stunden nicht legen will. An wieder anderen Tagen bleibt einfach nur ein wohliges Körpergefühl hängen, das sich schwer beschreiben lässt: hellwach, aber gleichzeitig so entspannt wie nach einer Massage.

Dieses Wohlgefühl kommt nicht von ungefähr. In Studien konnte man bei Proband*innen, die sich großer Kälte ausgesetzt hatten, eine veränderte Ausschüttung von Dopamin, Serotonin, Beta-Endorphin und Noradrenalin/Norepinephrin feststellen. Diese Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Schmerzen und Stress, aber auch beim Empfinden von Glück.

2. Winterschwimmen / Wild Swimming in der kalten Jahreszeit hat eine antientzündliche Wirkung.

Man weiß schon lange, dass kaltes Wasser eine messbar antientzündliche Wirkung hat, die weit über den Gebrauch als Hausmittel bei einem verstauchten Fuß hinausgeht. Sogar bei Rheuma oder Multipler Sklerose können Kälteanwendungen (z.B. ein Aufenthalt in einer Kältekammer / Kältesauna helfen. (Falls dich das Thema Kältekammer interessiert – hier geht es zu meinem Erfahrungsbericht!)

Und tatsächlich ist das Thema Entzündungen auch bei Depressionen wichtig. Wie Edward Bullmore in seinem Buch „Die entzündete Seele“ beschreibt, können auch unentdeckte Mikro-Entzündungen im Körper zu depressiven Symptomen führen (bzw. umgekehrt auch Depressionen Entzündungen fördern).

Wird die Entzündungsreaktion im Körper abgeschwächt, bessern sich meist auch die depressiven Symptome. Allein deshalb ist es wichtig, zu versuchen, anti-inflammatorische Faktoren in seinen Alltag einzubauen.

Wild Swimming ist bestimmt nicht der einzige Hebel, an dem man in dieser Hinsicht drehen kann, aber er ist ein ziemlich mächtiger.

3. Durch Winterschwimmen wird dein Vagus-Nerv, auch: „Entspannungs-Nerv“ genannt, aktiviert.

Der Vagus-Nerv ist einer deiner Gehirnnerven – und der größte Nerv des parasympathischen Nervensystems. Rund 75 Prozent aller parasympathischen Fasern verlaufen in ihm!

Wenn er aktiviert wird, verlangsamt sich u.a. dein Herzschlag und überhaupt fährt dein parasympathisches Nervensystem sofort einen Gang runter.

Aber nicht nur das: Die Aktivierung des Vagus-Nervs scheint sich auch positiv auf Depressionen auszuwirken – weshalb Menschen mit schweren Depressionen, denen sonst nichts geholfen hat, in manchen Fällen auch Vagus-Nerv-Stimulatoren implantiert werden.

Beim Winterschwimmen aktivierst du deinen Vagus-Nerv auch. Denn der Vagus-Nerv liebt Kälte.

Und das merke ich jedes Mal wieder so krass. Kälte macht mich so unglaublich ruhig. Nicht im ersten Moment, da ist immer noch dieser Kälteschock da, der sich zwischen mich und die Ruhe legt. Aber sobald ich mich im Wasser akklimatisiert habe, spüre ich, wie das Schwere in meinem Kopf und Körper plötzlich verschwunden ist.

Alles wird plötzlich leicht und wie ein Spiel, und man versteht nicht einmal mehr, wie man sich davor so schlecht fühlen konnte.

4. Die Kälte beim Winterschwimmen kann bestimmte Arten von Schmerzen lindern.

Dass Kälte an sich Schmerzen lindern kann ist nichts Neues – wenn man mit dem Fuß umgeknickt ist, würde man die Stelle auch kühlen. Aber auch gegen Muskelschmerzen kann Kälte helfen. Bei mir waren meine Schwimmabenteuer sowie die ersten Stunden danach damals sogar die einzige Zeit, in der ich schmerzfrei war – auch das für mich ein ziemlich großer Ansporn, um ins Wasser zu kommen.

Wichtig: Natürlich lassen sich nicht alle Arten von Schmerz mit Kälte verbessern – wenn du zum Beispiel eine Infektion mit Halsschmerzen oder akute Spannungskopfschmerzen, ist Winterschwimmen absolut kontraproduktiv. Deswegen: Frag vorher bei deiner Ärztin/deinem Arzt nach, ob Winterschwimmen bei deinem Problem geeignet ist.

5. Deine Widerstandskraft wird durch Winterschwimmen gestärkt – im körperlichen wie im übertragenen Sinn.

Nichts gibt dir den Glauben an dich selbst so unmittelbar zurück wie die Tatsache, dass du im Winter einfach in einen Fluss steigen kannst – und es geht dir großartig danach.

Ab dann scheint alles möglich.

Aber auch, was das Immunsystem angeht, hat Wild Swimming im Winter stärkende Effekte. Wenn du dich nicht überforderst und dich regelmäßig Kälte aussetzt, wird deine Kälteempfindlichkeit mit der Zeit deutlich abnehmen, und deine Infektanfälligkeit abnehmen. Davon berichten zumindest die meisten Winterschwimmer*innen.

6. Beim Winterschwimmen lernst du loszulassen.

Im kalten Wasser gibt es nichts mehr, was von Bedeutung wäre – außer, dass du dich darin befindest, und der Kälte etwas entgegensetzt.

Auch danach ist nichts anderes wichtig – außer dem, was du in diesem Moment tust, und was du in diesem Moment erlebst.

Beim Winterschwimmen gibt keinen Raum für ein Davor oder ein Danach, und es ist auch nicht wichtig. Alles, was zählt, ist der Moment, in dem du dich frei im Wasser bewegst und spürst, wie diese Euphorie und innere Ruhe sich über dich legt.

7. Winterschwimmen hat ziemlich großes Potenzial, um dein Körpergefühl zu verbessern.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man ab und zu schon zum Eindruck gelangen könnte, dass nichts so viel zählt wie die Tatsache, dass man jederzeit ein attraktives Foto von uns machen könnte. Aber was ist schon ein Bild im Vergleich zu einem Lebensgefühl?

Beim Wild Swimming kannst du, wenn es dir so geht wie mir, erleben, wie es ist sich unter relativ absurden Bedingungen großartig zu fühlen: in eiskaltem Wasser. Diese Bedingungen mögen nicht immer fotogen sein, man selbst vielleicht auch nicht.

Aber es geht eben auch nicht um das perfekte Bild. Es geht um das perfekte Gefühl.

Ich habe durch Wild Swimming jedenfalls gelernt, (noch) mehr Fokus auf mein inneres Leben zu legen, auf das, was mich wirklich glücklich macht.

8. Beim Winterschwimmen lernst du, auf deinen Körper zu hören.

Ich hätte auch schreiben können: „musst du lernen, auf deinen Körper zu hören, weil du sonst untergehst oder krank wirst“. Ich hatte schon ein paar Situationen, wo ich im Nachhinein gemerkt habe, dass ich ein wenig zu lange im Wasser war.

Woran ich das gemerkt habe? Ich habe gespürt, dass ich mich innerlich von der Szenerie, in der ich war, entferne; ich konnte nicht mehr klar denken, und hatte das Gefühl, dass sich ein Schleier über meine Gedanken legt. In einem Fall bin ich danach auch krank geworden. Das war so ein Tag, an dem ich schon gespürt habe, dass mein Immunsystem mit irgendetwas beschäftigt ist, und ich aber trotzdem nicht auf das Wild Swimming verzichten wollte.

Jetzt weiß ich das (meistens) besser. Jedenfalls ist Winterschwimmen die perfekte Gelegenheit um zu üben, wirklich auf sich zu hören – und sich nicht danach zu richten, wie vermeintlich günstig oder ungünstig die Wetterlage ist, oder wie lange andere im Wasser bleiben. Es zählt nur das eigene Gefühl – und nur wenn das gut ist, solltest du im Wasser bleiben.

9. Winterschwimmen kann dir eine Pause von deinen depressiven Gedanken geben – indem es dich zu einem Grübelstopp zwingt.

Beim Winterschwimmen bist du so starken sensorischen Reizen ausgesetzt, dass du es nicht einmal dann schaffen würdest, weiterzugrübeln, wenn du es aktiv versuchen würdest.

Die Kälte nimmt einen ganz gefangen – auf die beste Art.

Für mich ist das immer wieder eine Pause und ein Geschenk, so stark in einem völlig unbeschwerten Jetzt sein zu dürfen.

Ich hoffe übrigens, dass dieser Absatz nicht so klingt, als würdest du die Pause von der Depression nur während des Schwimmens selbst bekommen. Für mich geht die innere Ruhe und Klarheit nach dem Schwimmen definitiv weiter – desto länger, je kälter das Wasser war.

10. Beim Winterschwimmen / Wild Swimming sind dir intensive Naturerfahrungen garantiert – immer und immer wieder.

Naturerfahrungen wirken in vielfältiger Weise auf uns – und beeinflussen sehr stark unsere Stressparameter. (Unter anderem das habe ich bei einem Kräuterspaziergang mit Mechtilde Frintrup gelernt, den du hier nachlesen kannst.)

Unser Cortisolwert sinkt zum Beispiel nach einem Spaziergang im Grünen viel stärker als bei einem Spaziergang durch städtisches Terrain. Aber Spazierengehen ist das eine – und in einem Fluss, in einem See, im Meer versinken, das andere. Für mich ist das noch krasser und schöner, auf diese Weise Teil der Landschaft zu werden, und neue Perspektiven zu gewinnen.

Psst: Warst du schon mal auf Augenhöhe mit einer Graugans?

11. Winterschwimmen verbessert die Durchblutung – und senkt damit möglicherweise die Körperkerntemperatur, die bei Menschen mit Depressionen meistens zu hoch ist.

Ich habe es in meinem Artikel über Wärmetherapien bei Depressionen schon einmal genauer beschrieben, aber hier noch einmal ganz kurz: Bei den meisten Menschen mit schweren Depressionen ist die Körperkerntemperatur erhöht. Nicht so sehr erhöht, dass es als Fieber gelten könnte, aber doch: im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe messbar höher, vor allem an bestimmten Tageszeitpunkten.

Der Zusammenhang von erhöhter Körperkerntemperatur und Depressionen ist tatsächlich so spezifisch, dass man sich in den 1980er Jahren sogar überlegt hat, die erhöhte Körperkerntemperatur bzw. die dadurch veränderte Hautleitfähigkeit mit in die Diagnosestellung einfließen zu lassen!

Was hast du jetzt von dieser Erkenntnis?, fragst du dich vielleicht. Nun: Wenn die Körperkerntemperatur sich normalisiert, bessern sich meistens auch die depressiven Symptome.

Und die Körperkerntemperatur lässt sich oft senken, wenn man die Durchblutung verbessert – zum Beispiel im Rahmen von Wärmetherapien. Aber auch bei Kälteexposition deutet viel darauf hin, dass sich dadurch die Körperkerntemperatur längerfristig senken lässt.

Meines Wissens nach gibt es diesem Thema noch nicht viel Forschung, aber ich habe in meinem Beitrag zu Wärmetherapien den Winterschwimmer, Saunaexperten und Naturmediziner Dr. Rainer Brenke befragt. Er sieht durchaus das Potenzial von Winterschwimmen, die Körperkerntemperatur zu senken.

Denn man weiß, dass durch die Kälteexposition die Durchblutung verbessert wird – auf diese Weise wird mehr Wärme an die Umgebung abgegeben, und die Körperkerntemperatur wird abgesenkt.

12. Wenn es dir so geht wie mir, dann kannst du durch Winterschwimmen erleben, dass auch in den dunkelsten Zeiten noch Raum für überwältigende Erfahrungen ist

Wim Hof, der bereits erwähnte niederländische „Ice Man“, hat hier seine eigene Geschichte zu erzählen: Seine erste Frau beging aufgrund einer schweren psychischen Krankheit Suizid; Wim Hof war plötzlich alleinerziehender Vater von vier kleinen Kindern.

Heute ist Wim Hof als jemand bekannt, der sowohl einen Marathon in der Wüste als auch einen nördlich des Polarkreises lief (jeweils ohne Schutzkleidung) und als jemand, der die gesundheitliche Bedeutung der richtigen Atmung und der Kälte immer wieder betont.

Wenn man das so liest, klingt das vielleicht nach einer Superheldengeschichte.

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ich will nicht so etwas sagen wie „Man muss sich nur überwinden, und dann geht alles vorbei“.

Alles, was ich sagen will, ist: Selbst in den dunkelsten Zeiten ist noch Raum für überwältigende Erfahrungen.

Und das habe ich genau so selbst erlebt.



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